Bad Emstal beschließt Strategie für die touristische Zukunft


Wie soll sich Bad Emstal als Kur- und Tourismusstandort künftig entwickeln? 

Mit dieser Frage hat sich die Gemeinde intensiv auseinandergesetzt. In ihrer Sitzung am 29. Oktober 2026 hat die Gemeindevertretung nun den ersten Tourismus- und Kurpolitischen Handlungsrahmen der Gemeinde beschlossen. Erstmals gibt es damit eine übergreifende strategische Grundlage, die Stärken, Herausforderungen und konkrete Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigt.

„Wir müssen unsere touristischen Potenziale nutzen, gleichzeitig aber ehrlich mit unseren finanziellen Möglichkeiten umgehen. Es geht nicht darum, möglichst viel zu planen, sondern die richtigen Prioritäten zu setzen und Bad Emstal nachhaltig weiterzuentwickeln“, erklärt Bürgermeister Daniel Rudenko.

Tourismus bleibt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Ausgangslage ist durchaus positiv: 41.075 Übernachtungen wurden 2025 in Bad Emstal registriert. Damit bewegt sich die Gemeinde wieder auf dem hohen Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie. Der Tourismus stärkt nicht nur das Beherbergungsgewerbe, sondern auch Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungsbetriebe. Nach einer Strukturanalyse der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Naturpark Habichtswald können allein in Bad Emstal 97 Personen durch die touristische Nachfrage ein durchschnittliches Primäreinkommen erzielen.

Besondere Chancen sieht das Konzept im Natur- und Aktivtourismus. Wandern, Radfahren und naturnahe Erholung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mit den Wanderwegen im Naturpark Habichtswald, Angeboten wie „Wandern ohne Gepäck“ und dem Projekt „Mittelgebirgsstürmer“ verfügt Bad Emstal bereits über gute Voraussetzungen.

Kurpark und Thermalwasser im Fokus

Ein wichtiger Bestandteil der künftigen Entwicklung bleibt der Kurpark. Er ist längst nicht mehr nur eine touristische Einrichtung, sondern ein generationenübergreifender Freizeit- und Begegnungsort für Gäste und Einheimische. Der Handlungsrahmen empfiehlt, das ehrenamtliche Engagement und die örtlichen Vereine weiterhin zu unterstützen sowie zusätzliche Veranstaltungen und Angebote zu fördern. Auch eine Weiterentwicklung des Kurparkgeländes im Zuge der Änderung des Bebauungsplans „Der Kitzhagen“ wird betrachtet.

Eine besondere Herausforderung ist die Zukunft des Prädikats Mineralheilbad. Das frühere Thermalbad in Sand ist seit 2016 geschlossen und inzwischen abgerissen. Die erneute Überprüfung des Prädikats steht 2029 an. Der Handlungsrahmen spricht sich dafür aus, die Suche nach einem privaten Investor für die Nutzung des Thermalwassers weiterzuverfolgen. Zusätzlich soll die Möglichkeit einer Anerkennung als Heilquellen-Kurbetrieb geprüft werden. Eine therapeutische Nutzung des Thermalwassers, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Arcadia Praxisklinik, könnte hierfür ein Ansatz sein.

Eines stellt das Konzept dabei ausdrücklich klar: Die Gemeinde soll nicht erneut selbst Betreiber einer kostenintensiven Einrichtung werden. Neue Angebote müssen wirtschaftlich tragfähig sein und dürfen die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommune nicht gefährden.

Regionale Zusammenarbeit als Chance

Auch die Zusammenarbeit mit der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) Naturpark Habichtswald e. V. soll weiter gestärkt werden. Bad Emstal ist Gründungsmitglied und Sitz des Vereins. Mit der geplanten Ansiedlung der TAG-Geschäftsstelle im Multifunktionshaus in Sand könnten zusätzliche Besucherströme in die Gemeinde gelenkt und touristische Synergien besser genutzt werden.

Der neue Handlungsrahmen ist damit kein Maßnahmenkatalog, der möglichst viele Projekte verspricht. Vielmehr setzt er einen klaren Orientierungsrahmen für die kommenden Jahre: Bestehende Stärken sichern, neue Potenziale erschließen und Investitionen mit Augenmaß angehen.

„Bad Emstal soll auch in Zukunft ein attraktiver Kur- und Tourismusstandort bleiben. Dafür brauchen wir eine Infrastruktur, die wir uns dauerhaft leisten können und die sowohl unseren Gästen als auch den Menschen vor Ort zugutekommt“, so Bürgermeister Daniel Rudenko.